14. Juni 2016

Einführung in die vedische Astrologie Teil 3

1.3 WIE ERSTELLT MAN EIN INDISCHES HOROSKOP?

1.3.1 AYANAMSA

1.3.2 DAS NEUE HOROSKOP

1.3.3 FESTLEGUNG DES ASZENDENTEN UND DER HÄUSER

1.3.4 DIE VERSCHIEDENEN DARSTELLUNGSMÖGLICHKEITEN DES INDISCHEN HOROSKOPS

Grundlagentexte vedischer Literatur zum Studium von Jyotish 

 

1.3 WIE ERSTELLT MAN EIN INDISCHES HOROSKOP?

Nun zur praktischen Seite. In dem nun folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen die Berechnung des indischen Horoskops erklären. Das Radix- oder Geburtshoroskop wird Rashi Chakra genannt. Sollten Sie ein westliches Geburtshoroskop besitzen, werden Sie mit Hilfe der nun folgenden Informationen in der Lage sein, es in ein östliches umzuwandeln.

1.3.1 AYANAMSA

Die Differenz zwischen dem tropischen und dem siderischen Tierkreis wird als Ayanamsa bezeichnet. Wenn Sie ein westliches Horoskop haben, subtrahieren Sie einfach das Ayanamsa von jeder Position eines Planeten und auch des Aszendenten. Das Ayanamsa verändert sich jährlich. In Tabelle 1 finden Sie die Berechnungen für das Lahiri Ayanamsa für einige Jahre.

Hierbei handelt es sich um das Ayanamsa, das von den meisten indischen Astrologen verwendet wird. Es beruht auf der Position des Fixsterns Spica. Dazwischenliegende Daten werden durch Interpolation berechnet. Einige westliche Computerprogramme bieten die Möglichkeit der Berechnung eines siderischen Horoskops. Diese Berechnungen werden jedoch meist abgeleitet von Fagan und Bradleys Berechnungen. Diese beiden Amerikaner verwenden ein Ayanamsa, das um ca. 52 Minuten (52′) vom Lahiri Ayanamsa abweicht.

 

 

TABELLE 1: LAHIRI AYANAMSA

1.      Januar 1920           22°45′

1.      Januar 1930           22°53′

1.      Januar 1940           23°01′

1.      Januar 1950           23°10′

1.      Januar 1960           23°18′

1.      Januar 1970           23°26′

1.      Januar 1980           23°35′

1.      Januar 1990           23°43′

1.      Januar 2000           23°51′

 

Wie fängt man an? Man subtrahiert von der westlichen Position das Ayanamsa des entsprechenden Jahres. Zum Beispiel: Jemand ist 1950 geboren und hat die Sonne auf 25° Fische stehen. Das Ayanamsa für 1950 beträgt 23°10′. Subtrahiert man dies nun von der Position der Sonne: 25 – 23°10′ = 1°50′ .  Also steht die Sonne im Vedischen Horoskop auf 1°50′ Fische.

Nun lassen Sie uns eine etwas kompliziertere Rechnung vornehmen. Ein anderer Mensch, der 1950 geboren ist, hat die westliche Sonne auf 15° Fische. Das Ayanamsa für 1950 beträgt 23°10′. Subtrahieren Sie dies von der Position der Sonne (23°10′ – 15° = 8°10′ dann 30° – 8°10′ = 21°50′). Die Sonne befindet sich nun auf 21°50′ Wassermann. Setzen Sie die Berechnungen für die verbleibenden Planeten und den Aszendenten nach diesem Schema fort.

1.3.2 DAS NEUE HOROSKOP

Jetzt werden Sie ein paar Überraschungen erleben. Jemand, der bisher der Überzeugung war, dass sein Sonnenzeichen Fische ist, wird plötzlich entdecken, dass seine Sonne im Wassermann steht. Was jedoch wichtig ist, ist das Gesamtbild, das entsteht. Mit ziemlicher Sicherheit wird die Fische-Energie im neuen Horoskop durch irgend einen anderen Faktor repräsentiert (möglicherweise befinden sich nun der Mond oder der Aszendent in den Fischen).

Alles in allem sollten wir uns vergegenwärtigen, wie stark wir unter Umständen auf unser Sonnenzeichen fixiert sind. Das Geheimnis liegt darin, sich für neue Möglichkeiten zu öffnen und zuzulassen, dass ähnliche Ergebnisse auf eine völlig andere Art und Weise gefunden werden können.

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas Interessantes über einen anderen Menschen zu erfahren, wie z. B. die Numerologie, das Tarot, das Handlesen, die westliche Astrologie und natürlich auch die Vedische Astrologie. Verschiedene Methoden liefern verschiedene Informationen, da das jeweilige Thema immer wieder aus einer neuen Sicht betrachtet wird. So verhält es sich auch mit der indischen Astrologie. Obwohl es verführerisch sein mag, Ihr westliches Horoskop mit dem Vedischen zu verglichen und sogar herauszufinden, welches von beiden besser passt, empfehlen wir Ihnen genau diese Vorgehensweise nicht. Wir haben es hier mit zwei eigenständigen Systemen zu tun, die hervorragend funktionieren, wenn man sie nebeneinander betrachtet. Im Verlaufe dieses Kurses werden Sie feststellen, dass die Herangehensweise und Interpretation eines indischen Horoskop sich sehr stark unterscheidet von der Betrachtung eines westlichen Geburtsbildes. Eine momentan verspürte Unsicherheit wird hoffentlich im Laufe dieses Kurses geklärt werden und verschwinden.

 

1.3.3 FESTLEGUNG DES ASZENDENTEN UND DER HÄUSER

Angenommen, dass unsere zuvor durchgeführte Berechnung stimmt, haben wir den indischen Aszendenten bereits festgelegt. Der Aszendent heißt im indischen Horoskop Lagna.

Das gesamte Tierkreiszeichen, in das der indische Aszendent  fällt, bildet das erste Haus.

Ein Beispiel: Sollte der indische Aszendent auf 2° Zwillinge fallen, entspricht das gesamte Zwillingszeichen dem 1. Haus. Auch wenn der Aszendent auf 29° Zwillinge stehen würde, würde das gesamte Zwillingszeichen das 1. Haus bilden.

Jedes Haus besteht somit aus einem kompletten Tierkreiszeichen. Im obigen Beispiel würde das 2. Haus in 0° Krebs beginnen, das 3. Haus in 0° Löwe usw.

Dies könnte als ein vereinfachtes Häusersystem erscheinen. Wir sollten uns jedoch vergegenwärtigen, dass auch die alten Griechen dieses System der gleichgroßen Häuser verwendet haben.

Außerdem bietet die indische Astrologie viele andere Möglichkeiten, die sehr differenzierte Aussagen zulassen. Als Beispiel dafür möchten wir das sog. Bhava Chakra (Bhava = Haus) anführen, das sehr an westliche Häusersysteme erinnert. Da das Bhava Chakra jedoch nur eine begrenzte Rolle innerhalb der Interpretation eines Horoskops spielt, werden wir es in diesem Kurs nicht näher betrachten.

 


1.3.4 DIE VERSCHIEDENEN DARSTELLUNGSMÖGLICHKEITEN DES INDISCHEN HOROSKOPS

In der indischen Astrologie werden meist zwei verschiedene Horoskopgrafiken verwendet. Es gibt den sog. nordindischen Horoskopstil und den südindischen. Für die meisten westlichen Astrologe ist es einfacher, mit dem südindischen Horoskop zu arbeiten. In dieser Grafik haben die Zeichen einen festen Platz, während im nordindischen Horoskop die Häuser immer an der gleichen Stelle stehen.

Südindisches Horoskop

 

In Mahatma Gandhis Horoskop sehen Sie anhand des nordindischen Horoskops, dass sich sein Aszendent in der Waage befindet und das 1. Haus somit aus dem Waagezeichen besteht. Mars, Venus und Merkur stehen ebenfalls im Zeichen Waage und somit im 1. Haus. Das Skorpionzeichen, in dem auch Saturn steht, wird zum 2. Haus, das Schützezeichen zum 3. Haus usw.

Beachten Sie bitte, dass wir die Häuser nicht in der gleichen Richtung zählen wie im westlichen Horoskop. Im Südindischen Horoskop folgen die Häuser im Uhrzeigersinn aufeinander – im Nordindischen entgegengesetzt. Immer wieder ein verwirrender Punkt für Neulinge im indischen System.

 

 

 

Die Vedas berichten uns, dass das Eisenzeitalter (Kali Yuga), in dem wir uns nun befinden, der Materie die allergrößte Bedeutung beimisst und dass die Technik versucht, die Materie zu beherrschen. Wir leben nun also in dieser Zeit der Malefics und Technologie. Das Zeitalter der Goldenen Ära, die Kultur der Benefics, die einst existierte (Paradies), war keine derart verzerrte technische Kultur, sondern eine Kultur, in der die Menschen sich nicht mit der Materie identifizierten und in Einklang (nicht im Konflikt) mit ihrer Umgebung lebten.

Grundlagentexte der vedischen Literatur für Jyotishstudien:

Brihat Parashar Hora Shastra, Madhya Parashari, Laghu Parashari, Brihat Jatak, Laghu Jatak, Jatak Alankar, Jatak Tatva, Brihat Samhita, Jatak Parijat, Jatakabharnam, Sarvarth Chintamani, Prashnarth Chintamani, Daivagya Vallabha, Hora Sara, Uttar Kalamrit, Purva Kalamrita, Phaldeepika, Narad Samhita, Muhurat Deepika, Muhurat Chintamani, Muhurat Martanda, Nakshatra Chintamani, Prashna Marga, Prashna Tantra, Sanket Nidhi, Tajik Neelkanthi, Sripati Paddhati, Dharma Sindhu, Nirnay Sindhu, Jaimini Sutra, Chandra Kala Nadi, Dhruv Nadi, Shuk Nandi Nadi, Shuk Nadi, Nadi Shastra Samhita