Janma Ashtami, Geburt Krishnas

krishna[2]

Namasté

Der Sommer neigt sich seinem Ende entgegen. Nach einem größtenteils verregneten Juli und August, starten wir in den September und somit in den Herbst. So ist heute der meteorologische Herbstanfang. Die Sommerferien gehen zu Ende und ich hoffe, jeder konnte die Sommerzeit nutzen, um ein wenig Ruhe und Erholung im Urlaub zu finden. Es beginnt die Jahreszeit der Stille und Einkehr. Damit verbunden sind auch eine Reihe von Festen und Feiertagen, die in vielen Kulturen immer noch vom Mondzyklus bestimmt werden und in der vedischen Astrologie besonders hervorzuheben sind.

Heute stimmt die Zeit der Sonnenuhr mit derjenigen der lokalen Ortszeit überein. Trotzdem steht aber die Sonne nicht um 12 Uhr genau im Süden, d.h. am höchsten Punkt ihrer täglichen Bahn.  Einerseits haben wir mit der Einführung der Sommerzeit während dem Sommerhalbjahr erst um 13 Uhr Mittag, andererseits leben wir nicht nach der Lokalzeit, sondern nach regionalem Zeitzonen. Bei jeder modernen Astrologiesoftware, die im professionellen Bereich eingesetzt wird, finden wir zur genauen Ortsangabe Datenbanken mit Zeitzonenatlas und Geburtsortssuche. So kann der korrekte Aszendent und Sonnenstand zum Zeitpunkt der Geburt ermittelt werden.

Bei der Berechnung von Horoskopen, wird auf die lokale Ortszeit besonders achtgegeben. Dazu gehört auch die Berücksichtigung des Längengrades, des Breitengrades und der Sommerzeit.

Die Erde ist seit dem späten 19. Jahrhundert in Zeitzonen unterteilt, die durchschnittlich 15 Längengrade umfassen. Jeder Ort gehört zu einer bestimmten Zeitzone, wobei die Entscheidung, zu welcher, eine politische ist, die von der Regierung des jeweiligen Gebiets getroffen wird. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen, Gebietsabtretungen und ähnlichen Ereignissen wechselte in der Geschichte die von den jeweiligen Machthabern festgelegte Zeitzone.
Die Zeitzone wird an vielen Orten durch Sommerzeit-Regelungen modifiziert, das heißt, viele Orte wechseln zweimal jährlich die effektiv geltende Zeitzone.

Man sollte folgende Begriffe keinesfalls verwechseln:

Ortszeit = lokal geltende, auf Uhren angezeigte Zeit, engl. local time
mittlere Ortszeit = bis Ende des 19. Jhd geltende Zeitnorm, engl. local mean time (LMT)
wahre Ortszeit = von Sonnenuhren angezeigte Zeit, Zeitnorm vor Einführung mechanischer Uhren, emgl. true local time oder local apparent time (LAT)
Greenwichzeit = mittlere Ortszeit der Sternwarte von Greenwich, welche den Nullmeridian festlegt, engl. Abkürzung GMT
Weltzeit = moderne Bezeichnung für Greenwichzeit, englisch Universal Time, Abk. UT

Die mitteleuropäische Zeit CET/MEZ/MESZ ist die Lokalzeit für Orte mit einer geografischen Länge von 15° Ost. Weil sich die Erde in 24 Stunden um ihre Achse dreht, entspricht eine Abweichung von einem Längengrad einer zeitlichen Differenz zwischen Lokal- und Zonenzeit von 4 Minuten. Für Orte westlich von 15° Ost kulminiert die Sonne entsprechend später, z.B. Mannheim oder Zürich 26 Minuten später. Östlich von 15° Ost ist früher "Mittag": z.B. in Wien 5 Minuten früher.

Heute am 1. September ist Halbmond. Der Mond steht im Stier, im Mondhaus (Nakshatra) „Rohini“.  Venus befindet sich in der Nähe des Sterns Spica,  im Mondhaus Chitra.  Sie ist heute glücklich in das eigene Zeichen der Waage eingetreten und verlässt das Zeichen ihrer Schwäche. Sie befindet sich nun bis 22. September im Zeichen ihrer Erhöhung (Mooltrikona) und wird dann in Konjunktion mit Mars gehen.

Für diejenigen, deren Aszendent im Zeichen der Waage steht, oder die Venus entsprechend der individuellen Horoskopqualitäten freundschaftlich gesonnen ist, wird sie in diesem Monat besonders gute Ergebnisse liefern.

Im Monat September finden eine Reihe spirituelle Feste statt:

Der wohl wichtigste Termin auf den ich hinweisen möchte, ist der 2. September.

In Indien werden alle Feiertage nach dem Mondkalender bestimmt. Diese sind somit ausschließlich bewegliche Feste.

Während wir jährlich am 24. Dezember die Geburt Jesus Christus feiern, findet der Geburtstag von Krishna laut Mond Kalender an “Janma Ashtami“,
dem 8. Mondtag der abnehmenden Mondphase (Krishna Paksha) im Monat Sravana statt. (August-September)

Dieser besondere Feiertag fällt in diesem Jahr auf den 2. September. Krishna ist eine hinduistische Form des Göttlichen und wird meist als der achte Avatar von Vishnu verehrt. Für seine Anhänger ist er die Inkarnation des Höchsten. Er ist die Verkörperung des Vedas und des "Dharma”. Krishna offenbarte „Dharmavidya“, das Wissen und die Kenntnis der  Rechtschaffenheit. Er beschützt diejenigen, die "Dharma” leben und schützen.

„Dharmo Rakshati Rakshitaram „ wie es in einem Zitat in der „Manava Dharma Shastra“ oder „Manu Smritis“, dem Gesetzbuch des Manus formuliert ist.

Der Mondtag, (Tithi) der diesen Geburtstag definiert, wird nach der exakten Sonnenaufgangszeit bestimmt.  Somit fällt Janma Ashtami in Europa auf den 2. September. Das Fest wird in Indien bereits am 1. September gefeiert.

Für das Aufsteigen des Ashtami Tithi, gibt es einen Zeitunterschied von 10 Minuten nach Sonnenaufgang und des Eintritts des Mondes in das „Rohini“ Nakashatra um 09:49 Uhr in Mitteleuropa. Hierdurch entsteht ein kalendarischer Unterschied, der bei der Berechnung von Muhurtas bzw. Bestimmungen für qualitative Zeitberechnungen und Zeitfenstern vom Astrologen zu beachten ist.

Zu dem Thema  Muhurta, über die Qualität der Zeit, werde ich in meinem nächsten Schreiben näher eingehen, denn dieser Bereich der vedischen Astrologie zählt zu einem der wichtigsten Zweige dieser Wissenschaft.

Janma Ashtami wird über zwei Tage gefeiert. So darf allerdings das Nakshatra (Mondhaus) "Rohini" indem der Mond dann steht, nicht auf denselben Tag fallen.

Der erste Tag ist als Krishnashtami bekannt. Er ist der eigentliche Geburtstag von Krishna Bhagwan und fällt auf den achten Tag nach Raksha Bandhan. Dieser fällt in der Regel in den Monat August. Der zweite Tag des Geburtstages ist als Kalashtami bekannt.

Die Beschäftigung mit Begebenheiten aus Krishnas Jugend sind ein zentraler Teil des Festes: überall im Land veranstaltet man Bühnenspiele mit den verschiedenen Episoden, den göttlichen Spielen, „Lilas“ genannt. Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Thema und Lesungen aus der Bhagavadgita  und dem Bhagavata Purana, den wichtigen mit Krishna in Zusammenhang stehenden Büchern, sollen die Menschen mit seinen Lehren vertraut machen.

Zur Vorbereitung auf das Fest fasten viele Gläubige bis Mitternacht, der Geburtsstunde Krishnas. Idealerweise um Mitternacht, aber in der Praxis häufig am Abend davor, zelebriert man mit Pracht das Gedenken an die Geburt des göttlichen Kindes. Die Tempel werden geschmückt, es werden Lieder mit dem Namen Gottes gesungen, Glocken geläutet, das Muschelhorn wird geblasen und Sanskrithymnen zu Ehren Krishnas rezitiert. Während des rituellen Gottesdienstes, der Puja, verehrt der Priester Krishna in einer Murti, wie Hindus konsekrierte Statuen nennen, oder in einer Puppe in einem kleinen Bett, welches die Frauen vorher über und über mit Blumen geschmückt haben. Für Pujas im privaten Bereich oder in einem gemeinsam organisierten Fest ruft man meist einen Priester, der die Zeremonie durchführt. Am Ende des Ritus darf jede der Frauen das Kind mit mütterlicher Liebe füttern, indem sie mit einem kurzem Gebet etwas Milchbrei auf dem Finger anbietet.

Besondere Bedeutung hat Janmasthami in Mathura im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, das für die Gläubigen der Ort von Krishnas Geburt ist. Dort feiern Einwohner und zigtausende von Pilgern aus der ganzen Welt das Fest in den vielen Tempeln der Stadt mit festlichen Gottesdiensten. Das indische Fernsehen überträgt die Feierlichkeiten, damit jeder im ganzen Land daran teilhaben kann. Die Bedeutung für Hindus ist vergleichbar mit den Weihnachtstagen für Christen in Bethlehem.

Über die Umstände der Geburt Krishnas berichtet das Bhagavatapurana. Krishna gehörte der königlichen Familie von Mathura an und war der achte Sohn von Prinzessin Devaki und ihrem Gatten Vasudeva, dem Sohn eines Yadava-Königs. König Kansa von Mathura war Devakis Cousin. Um auf den Thron zu gelangen, hatte er seinen Vater König Ugrasena ins Gefängnis werfen lassen. Nach der Vermählung von Devaki und Vasudeva prophezeite ihm eine Stimme, der achte Sohn des Paares würde ihn töten. Daraufhin hält er beide im Palastkerker gefangen und tötet die ersten sechs Kinder gleich nach der Geburt. Das siebente kann – nach einer scheinbaren Fehlgeburt – gerettet werden. Krishna kommt als achtes Kind zur Welt und in einer vorübergehenden Vision können die Eltern ihn in seiner kosmischen Form mit vier Händen sehen. Durch seine Wunderkräfte schlafen die Wärter ein, die Kerkerketten zerspringen und die Türen springen auf. Vasudeva flieht mit dem Neugeborenen über den Fluss Yamuna in das Dorf Gokul (bei Vrindavan im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh), wo Krishna bei den Pflegeeltern Yasoda und Nanda aufwächst. Damit sich die Weissagung nicht erfüllen kann, sendet Kamsa einen Dämon aus, um den Neugeborenen zu töten. Doch Krishna überlebt und wächst als Hirte unter Kuh-Hirten auf. Daher ist mit seiner Geschichte besonders auch die Verehrung der Kuh verbunden.

Von dem Zwiegeschpräch zwischen Arjuna und Krishna handelt die Bhagavad Gita („der Gesang Gottes“), verkürzt auch nur Gita.

Sie ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus und hat die Form eines spirituellen Gedichts. Der vermutlich zwischen dem fünften und dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstandene Text ist eine Zusammenführung mehrerer verschiedener Denkschulen des damaligen Indien auf Grundlage der Veden, der Upanishaden, des orthodoxen Brahmanismus, des Yoga u.a.m., steht aber den Upanischaden gedanklich am nächsten.

„O Sohn des Bharata, so oft ein Niedergang des Dharma (Rechtschaffenheit, Tugend) und ein Überhandnehmen von Ungerechtigkeit und Laster in der Welt eintritt, erschaffe ich mich selbst unter den Kreaturen. So verkörpere ich mich von Periode zu Periode für die Bewahrung der Gerechten, die Zerstörung der Boshaften und die Aufrichtung des Dharma.“

Krishna kommt in der Bhagavad Gita, je nach Kontext, unterschiedliche Bedeutung zu: Einmal wird er als das kosmische Selbst angesehen, das alles Lebende durchdringt; ein anderer Aspekt ist die Bedeutung als innere Göttlichkeit, die eine Reflexion des kosmischen Selbstes in jedem Lebewesen ist. Eine dritte Funktion ist die des spirituellen Lehrers.

"Wer im Handeln das Nicht-Handeln wahrnehmen kann und erkennt, wie das Wirken sich fortsetzt, wenn er vom Wirken zurücktritt, ist unter den Menschen derjenige von wahrer Vernunft und Unterscheidungskraft."
Bhagavadgita

Weitere Feiertage im September nach dem indischen Mondkalender:

Janma Ashtami – 2. September 2010
Swarna Gauri Vratam – 10. September – Fastentag der Frauen
Ganesh Chathurti- 11. September 2010 (Ganeshs Geburtstag)
Shraaddh- Pitris Paksha – 24 September bis 7. Oktober

Zu beachtende Positionen der Planeten im September:

die Sonne geht in die Jungfrau am 17. September um 01:59 MEZ
Mangal, (Mars) geht in die Waage am 5. September um 23.34 Uhr
Budha, [Merkur] wird nach seiner Rückläufigkeit, die er seit dem 20. August inne hat, wieder direktläufig im Löwen, am 13. September um 01.09 Uhr und geht dann am 30. September in die Jungfrau um 07:24 Uhr
Jupiter bleibt während des gesamten Monats rückläufig in seiner Stellung in den Fischen, im 1. Pada des Nakshatras Uttara Bhadrapada, Herrscher Saturn
Venus tritt ein in die Waage am 1. September um 08:30 Uhr
Shani, (Saturn) verweilt weiterhin in der Jungfrau im Nakshatra Hasta.
Mangal, (Mars) und Jupiter bilden ein Samsaptak Yoga vom 20. Juli bis 5. September.
Sonne und Jupiter erzeugen ein Samsaptak Yoga, vom 17. September bis 17. Oktober.

Quelle:

aktueller indischer Mondkalender im Vedharma Wiki:
http://www.vedharma.de/index.php/Tithis_September_2010

Yam brahmavarunendrarudramarutah stunvanti divyaih stavai l
rvedaih sahgapadakramopaniiaadairgayanti yam samagah  l
dhyanavasthitatadgatena manasa pasyanti yam yogino l
yasyantarii na viduh surasuraganä devaya tasmai namah  l9 l

Gegrüßt sei dieser Gott, den Brahma, Varuna, Indra, Rudra und die Maruts mit göttlichen Hymnen preisen, den die Sama Sänger in den Veden und deren Angas be­singen, in den Pada und Krama Methoden und den Upanishaden, den die Yogis sehen, wenn ihr Geist durch Meditation in Ihm aufgegangen ist, und dessen Ende auch die Heerscharen der Götter und Asuras nicht kennen.

Siehe auch meine weiteren Blogs

Alles Gute zum Janma Ashtamifest.

krishna2[1]

Herzliche Grüße und einen schönen, lebensfrohen und bunten Herbst wünscht

GANUSCH

Joachim F. NUSCH

 

 

 

Schreibe einen Kommentar