Die Pforte des Himmels

Der Weg der Menschen nach Ihrem Tod durch die Pforte des Himmels

Citra, der Spross des Gangya, wünschte zu opfern und wählte den Aruni zu seinem Priester. Der sandte seinen Sohn Shvetaketu mit dem Auftrag, für Citra zu opfern. Als er gekommen war, fragte Citra ihn: »Sohn des Gautama, gibt es eine Schleuse zu der Welt, in die du mich zu bringen gedenkst, oder gibt es irgendeinen Weg dahin? Bringe mich nicht zur Nichtwelt.«

Der sprach: »Ich weiß es nicht; doch will ich den Lehrer fragen.« Er ging zu seinem Vater und sagte: »So fragte er mich; wie soll ich antworten?« Aruni sprach: »Ich weiß es auch nicht. In einer Sitzung empfangen wir, nach dem Studium des Veda, was andere uns geben. Komm, lass uns beide hingehen.«

Er nahm Brennholz in die Hand und ging zu Citra, dem Spross des Gangya. »Ich will bei dir in die Lehre treten.« – »Du bist des Brahman würdig, komm, ich will es dir darlegen.«

Er sprach: »Alle, die aus dieser Welt scheiden, die gehen zum Mond. Durch ihr Leben füllt sich die zunehmende Hälfte, in der abnehmenden Hälfte veranlasst er ihre Wie-dergeburt. Der Mond ist die Pforte des Himmels. Wer ihm zu antworten versteht, den lässt er an sich vorüber. Wer ihm nicht zu antworten vermag, den sendet er, in Regen verwandelt, zur Erde nieder. Als Wurm, Motte, Fisch, Vogel, Löwe, Eber, Schakal, Tiger, Mensch oder sonst etwas wird er hier und da, je nach seinem Tun und Wissen, wiedergeboren.

Der Mond fragt den Ankömmling: „Wer bist du?“ Er muss ihm antworten: „Vom weisen, fünfzehnfachen, durch Opfer geschaffenen, von den Manen bewohnten, kommt, ihr Jah-reszeiten, der Same her. Als Samen brachtet ihr mich in den zeugenden Mann; durch den zeugenden Mann gießt ihr mich in die Mutter. Bringt mich, o Ritus, zur Unsterblichkeit. Durch diese Wahrheit, diese Kasteiung bin ich die Jahreszeit, bin ein Sohn der Jahreszeit. Wer bist du?“ fragt er den Mond. „Ich bin du.“ – Denjenigen läßt der Mond an sich vorüber.

Er gelangt auf den Pfad der Götter und schreitet zur Welt des Feuergottes, zur Welt des Windgottes, zur Welt des Gottes der Gewässer, zur Welt des Indra, zur Welt Prajäpatis, zur Welt Brahmans.

Fünfhundert Göttermädchen kommen ihm entgegen: hundert mit Früchten in der Hand, hundert mit Salben, hundert mit Kränzen, hundert mit Kleidern und hundert mit wohlriechenden Pulvern in der Hand. Sie schmücken ihn mit Brahmans Schmuck. Damit angetan, geht der Brahmakundige zum Brahman. Er gelangt zum See Ära und überschreitet ihn mit Manas, dem Geist. Die aber, die nur die Gegenwart kennen, versinken, wenn sie dorthin gekommen sind. Er gelangt zu den Yeshtiha genannten Stunden; sie laufen vor ihm davon. Er gelangt zu dem Strom Vijarä, diesen überschreitet er wiederum mit dem Manas. Alle guten und bösen Taten wirft er dort von sich; angenehme Verwandte nehmen die guten, nicht angenehme die bösen Taten auf sich.

Wie ein Wagenfahrer auf die beiden Wagenräder, so blickt er auf Tag und Nacht, blickt auf gute und böse Taten, auf alle Gegensätze, Hitze und Kälte, Freud und Leid, hinab. Frei von guter, frei von böser Tat naht der Brahmankundige dem Brahman.